Horseman VH-R – Erfahrungen eines Fußgängers

Die Moosalb bei Ettlingen - Horseman VH-R - Fujicolor Pro 400H
Die Moosalb bei Ettlingen – Horseman VH-R – Fujicolor Pro 400H

Dem Wanderer, also mir, der da an einem strahlenden Sommertag mit einer Horseman VH-R im Gepäck, schwitzend die Hügel des Nordschwarzwaldes hinaufkraxelte, kam unwillkürlich dieser berühmte Satz in den Sinn:

„Ein Pferd! Ein Pferd! Mein Königreich für ein Pferd!“, so soll der grausame Richard III. in der Schlacht von Bosworth Fields ausgerufen haben, nachdem man ihm sein Pferd unterm Hintern weggeschossen hatte und kurz bevor er dann selber dahin gemetzelt wurde. Ob’s stimmt? Man weiß es nicht. William Shakespeare hat ihm die Worte in den Mund gelegt.

Mir aber, armem Wandersmann stand trotz der Horseman kein Reittier zur Verfügung.

Die Horseman VH-R
Die Horseman VH-R

Ich wäre mit einem Maultier zufrieden gewesen, oder einem Esel oder einem Bernhardiner und hätte sogar einen meiner Mitbewohner(innen) als willigen Scherpa akzeptiert. Doch leider war es nichts mit alledem. Selbst ist der Mann war angesagt an diesem Tag. Denn das Gewicht, das die Horseman VH-R mit sich bringt, ist mit einer Kleinbildkamera nicht mehr zu vergleichen. Dabei ist die Horseman VH-R noch eine der leichteren Kameras dieser Größenordnung. Aber dank Zubehör summiert sich das ganze dann doch zu einer ansehnlichen Zahl, wie wir gleich sehen werden.

Fangen wir mal von vorne an. Mit Rückteil und angeschraubter Wechselplatte bringt die Horseman VH-R stolze 2 kg auf die Waage. Das Objektiv, es ist das einzige das ich habe, ein Tokyo Kogaku Super Horseman 1:4,5/105mm nebst Deckeln und dem Drahtauslöser wiegt zusätzliche 420 Gramm. Zwei Filmkassetten hatte ich dabei, eine Horseman 6×9 mit 420 Gramm und eine von Mamiya 6×7 mit 400 Gramm. Und dann noch ein der Kamera angemessenes Stativ mit 3,5 Kg. Ein schwarzes T-Shirt als Dunkeltuch und ein alter Agfa Gucki als Lupe bringen gemeinsam 200 weitere Gramm auf die Waage.
Auch der Rucksack selber ist nicht gewichtslos sondern trägt mit 1,7 kg zum Gesamtgewicht bei. Dazu kommen 1,5 kg Wasser, um unterwegs nicht auszutrocknen und noch schätzungsweise weitere 500 Gramm für Apfel, Ei und Käsebrot. Das ist sozusagen die Minimalausstattung, denn natürlich waren im Gepäck noch eine alte Agfa Billy Rollfilmkamera (740 Gramm) für Vergleichsfotos und meine Pentax K20D mit Sigma 17-70mm (1,4 kg), für alle Fälle.
Zusammengerechnet kommt man so auf stolze 13,5 kg oder eben 11,4, wenn man die zusätzlichen Kameras weglässt und nur die Horseman betrachtet. Ungefähr so als würde man eine Kiste Bier mit sich herumschleppen (fast).

Horseman VH-R2000
Objektiv420
Filmkassetten820
Stativ3500
Einstelltuch200
Rucksack1700
Wasser1500
Verpflegung500
Zwischensumme11,4 kg
Pentax K20D m. Objektiv1400
Agfa Billy I740
Gesamt:13,5 kg
Digitalis purpurea - Fingerhut im Moosalbtal - Horseman VH-R - Fujicolor Pro 400H
Digitalis purpurea – Fingerhut im Moosalbtal – Horseman VH-R – Fujicolor Pro 400H

Das ist eine ganze Menge, die man da zusätzlich zum eigenen, nicht unerheblichen Gewicht den Berg hinauf wuchten muss. Und dabei habe ich die verschiedene Kleinteile, wie drei Filme, meinen Tabak, ein Feuerzeug, Handy, Lesebrille, Geldbeutel voller Kleingeld und ein Klappmesser, falls irgendwo ein schmackhafter Pilz herumstehen sollte, noch gar nicht mit berücksichtigt.
Logisch, dass das Bedürfnis anzuhalten und das gleich mal erste Foto zu machen schon nach wenigen Metern über mich kam. Schweißüberströmt, versteht sich.

Mit dem Handy aufgenommen - Horseman VH-R - Fujicolor Pro 400H
Mit dem Handy aufgenommen – Horseman VH-R – Fujicolor Pro 400H

Betrachten wir aber zunächst mal die Inneren Werte der Horseman VH-R. Es handelt sich um eine typische Laufbodenkamera, die es erlaubt die Objektivstandarte mit Balgen aus dem aufgeklappten Gehäuse herauszuziehen. Das besondere an der Horseman VH-R ist, dass sie nicht nur über die Mattscheibe fokussiert werden kann, sondern neben dem auf dem Gehäuse angebrachter Leuchtrahmensucher noch einen Entfernungsmesser besitzt.

Der Leuchtrahmensucher lässt sich genauso, wie das Rückteil drehen und zeigt für verschiedene Brennweiten den Bildausschnitt an. Der Entfernungsmesser ist recht praktisch, kann man so so schon einmal eine grobe Schärfeeinstellung vornehmen, ohne unters Dunkeltusch krabbeln zu müssen. Er ist bei meiner Kamera leider nicht zu hundert Prozent exakt, weshalb in jedem Fall über die Mattscheibe fokussiert werden muss. Dass auch das Rückteil der Horseman VH-R von Portrait auf Landscape gedreht werden kann, habe ich bereits erwähnt.

Laufboden gesenkt, Front Tilt, Back Tilt - Horseman VH-R - mit dem Handy geknippst
Laufboden gesenkt, Front Tilt, Back Tilt – Horseman VH-R – mit dem Handy geknippst

Konzipiert ist die Horseman für Aufnahmen im Format 6×9 auf 120er Rollfilm. Es handelt sich dabei also um eine Mittelformatkamera, obwohl es auch die Möglichkeit gibt, durch die Kamera durch den Austausch des Rückteils auf 4×5 zu adaptieren womit man eine Großformatkamera erhalten würde. Da ich diese Erweiterung nicht besitze kann ich leider auch keine Aussagen über die Praktikabilität davon treffen.

Hat man das Bild über die Mattscheibe korrekt fokussiert, dann kann man das normale Rückteil gegen den normalen Horseman Filmadapter im 6×9-Format austauschen oder wahlweise einen 6×7 Filmadapter von Mamiya, der hier ebenfalls passt, verwenden.

Waldweg im Moosalbtal - Horseman VH-R  - Fomapan 200
Waldweg im Moosalbtal – Horseman VH-R – Fomapan 200

Die Horseman VH-R verfügt über Front-Tilt und -Shift und ebenfalls Back Tilt. Das Rückteil lässt sich tatsächlich etwa 2 Zentimeter herausziehen, was bei längeren Brennweiten oder im Nahbereich ganz nützlich ist. Auch der Laufboden lässt sich absenken.
Die Verstellmöglichkeiten habe ich bisher noch nicht genutzt, einfach weil bei den hohen Sommertemperaturen die Arbeit unterm Einstelltuch alles andere als erquickend war, aber natürlich auch, weil ich die Kamera zunächst einmal in ihrer Grundfunktionalität kennen lernen wollte.

Mein erstes Foto mit der Horseman VH-R - Fomapan 200
Ein wenig blurry – mein erstes Foto mit der Horseman VH-R – Fomapan 200

Das Tokyo Kogaku Super Horseman 1:4,5 / 105mm. Der Verschluß Seiko SVM bietet Verschlußzeiten von 1 Sekunde bis 1/500. Die Blende kann in einem Bereich von 4,5 bis 32 eingestellt werden. Es ist leider das einzige Objektiv, das ich derzeit für diese Kamera besitze, sollte aber zunächst einmal ausreichen, bis ich mich mit dem System mehr vertraut gemacht habe. Leider ist der in die Kamera hineinragende Teil des 105er Objektivs so groß, dass sich die Kamera mit eingebauter Linse nicht schließen lässt. Ich muss also bei Aufbau der Kamera auch immer noch das Objektiv befestigen.

Pflanze im Hinterhof - Horseman VH-R - Fomapan 100
Pflanze im Hinterhof – Horseman VH-R – Fomapan 100

Inzwischen habe ich auf mehreren Wanderungen verschiedene Filme verschossen. Gewöhnungsbedürftig war es rechtzeitig den Schieber herauszuziehen oder wieder zurückzustecken oder auch einfach den Film weiterzuspulen. Auch das fokussieren, wenn einem der Schweiß gerade die Augen ausbrennt, ist nicht so einfach. Das bisher schönste Ergebnis hat dabei meiner Meinung nach der Fujicolor Pro 400H geliefert. Entwickelt habe ich diesen im Compard Digibase C41 Kit, dabei habe ich die Bleichzeit um 30 Sekunden vermindert.

Im Moosalbtal - Horseman VH-R - Kodak Ektar
Im Moosalbtal – Horseman VH-R – Kodak Ektar

Leider habe ich mir bei den verschiedenen Fotos, die du hier im Artikel siehst, nicht die Werte für Blende und Zeit notiert, denke aber man kann sich doch ein Bild von den Möglichkeiten der Kamera machen.

Falls du selber auf der Suche nach einer Horseman VH-R bist >>> empfehle ich einen Blick auf eBay (Affiliate Link). Dort habe ich letztendlich auch meine Kamera her.

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